Rheinland-Pfalz
 Lehrpläne

Bildungsserver Rheinland-Pfalz
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Sek I - Evangelische Religion |
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(Lehrplan online derzeit nicht verfügbar) |
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Jahrgang |
9, 10 |
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Religions- pädagogische Dimension |
"Interreligiös-interkultureller Bereich" |
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Lebensbezüge |
- "Auf dem Weg zu sich selbst
- Im
Zusammenleben mit anderen"
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Thema |
"Religion, "Sekte", oder was ...? Religiöser Markt der Möglichkeiten" |
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Didaktische Hinweise |
"1. Vorbemerkungen
Das Thema ist schwerpunktmäßig dem "interkulturell - interreligiösen Bereich" zugeordnet mit Bezügen zur "Wirkungsgeschichte".
Es knüpft an das Thema "Jugend: Aufbruch - SehnSüchte" (7/8) an und kann mit dem Thema "Einheit in Vielfalt" - Erscheinungsformen von Kirche"
verbunden werden. Weiterhin bereitet es die Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Religion" (Klasse 11, Gymnasien) sowie mit den Themen "Die
Suche nach Sinn" (Berufsschule) und "Kirche" (Berufsfachschule) vor.
1.1. Zur Situation der Schülerinnen und Schüler
Das Thema ist bei den Schülerinnen und Schülern sehr beliebt. Besonders Berichte in
Jugendzeitschriften (z. B. Bravo...) und Fernsehsendungen, Flugblättern, Werbezeitschriften sowie die Begegnungen mit Angeboten und Gemeinschaften
wecken das Interesse für neue religiöse Bewegungen, Sondergruppen und "Sekten". Sensationelle Medienberichte, z.B. Meldungen über Massenselbstmorde,
rufen verstärkt die Neugier der Jugendlichen hervor. Was fasziniert ist das Geheimnisvolle und Unbekannte
Werden Jugendliche mit dem Leben in religiösen Sondergruppen und "Sekten" konfrontiert,
dann lösen Aktivitäten und Regeln der Gemeinschaften eine Vielfalt an Reaktionen aus. Zum einen befremdet Jugendliche, was sie über das oft streng
regelgebundene Leben in den Gruppen hören. Zum anderen imponiert ihnen, wie sehr die Menschen ihren Glauben ernst nehmen. Das Interesse am Thema
gründet allerdings in einer undifferenzierten Sicht von Religion und vagen Vorstellungen darüber, wie das Leben in religiösen Gruppen aussieht
Die Ambivalenz in der Einstellung gegenüber neuen religiösen Bewegungen, Sondergruppen
und "Sekten" ist in der Situation der Jugendlichen begründet: Einserseits wünschen sie sich Ungebundenheit und Freiheit, andererseits suchen sie nach
Formen einer echten Gemeinschaft und nach Orientierungsmöglichkeiten ...
Die Faszination solcher Gruppen führte in den 70er Jahren zum Begriff "Jugendreligionen",
der heute weniger häufig verwendet wird. Jugendliche sind nicht mehr die Hauptzielpersonen dieser Gruppen, dennoch machen sie sich auch die
jugendliche Suche nach Orientierung zu Nutze
1.2. Begründung des Themas
Angesichts zunehmender Unsicherheiten und Orientierungsprobleme ist in unserer
Gesellschaft heute ein Boomen auf dem religiösen "Markt der Möglichkeiten" zu spüren. Angebote des Psychomarktes und der Esoterikszene weisen
auf ein religiöses Gestaltungsbedürfnis außerhalb des Hauptstroms christlicher überlieferung hin. Dies hat seine Ursache unter anderem in dem
Bedeutungsverlust von Formen kirchlicher Religiosität .... Feststellbar ist ein Ekklektizismus, bei dem man sich
unterschiedlicher religiöser Traditionen bedient. Dabei gelten die Kirchen nur als ein Orientierungsangebot unter vielen ..
Besonders religiöse Sondergruppen und "Sekten" üben eine starke Anziehungskraft
aus und haben sich auf die Suche vieler Menschen eingerichtet. Sie greifen offen die Unzufriedenheit mit den Traditionskirchen auf und stellen
sich als eine bessere Form von Gemeinschaft dar. Andere Bewegungen nehmen das menschlcihe Bedürfnis nach Vollkommenheit auf und versprechen,
dass die Teilnahme an ihren Veranstaltungen zur Weiterentwicklung menschlicher Fähigkeiten beiträgt.
Die Auseinandersetzung mit diesen Gruppen und Angeboten wird durch deren sprachlich
uneinheitliche Bennenung erschwert. Öffentlichkeit und besonders Jugendliche verwenden fast ausschließlich den Begriff "Sekte", wenn sie über
diese Erscheinungsformen sprechen. Darüber hinaus kursieren in der Fachliteratur Namen wie "Neue Religiöse Bewegungen", "Religiöse Sondergruppen",
"Destruktive Kulte", "Jugendreligionen" oder "sogenannte Sekten" ... Der Begriff "Sekte" hat wegen seiner Vielschichtigkeit gegenüber anderen
Bezeichnungen gewisse Vorzüge. Er hat
eine theologische Dimension: "Sekte" als eine Gruppe, die sich in Lehre und Praxis von der Mutterreligion abgespalten hat;
eine gesellschaftliche Dimension: "Sekte" als Gruppe, die ein Gegenbild zur Wertorientierung und Lebensweise einer Gesellschaft entwirft;
eine umgangssprachliche Dimension: "Sekte" als totalitäre Gruppe
...
Die Beurteilung solcher Gruppen und Angebote vollzieht sich auf zwei Ebenen:
Auf der gesellschaftlichen Ebene ist zu klären, ob wirtschaftliche oder politische Ziele bei bestimmten Bewegungen im Zentrum stehen oder ob bei
Menschen körperliche oder psychische Schäden bis hin zur Manipulation der Persönlichkeit auftreten.
Auf der theologischen Ebene spielt das biblische Menschenbild der Einheit von Körper
und Seele (hebr.: "Basar" und "Näfäsch") sowie die Geschöpflichkeit des Menschen eine besondere Rolle. Sie stehen Entwürfen gegenüber, die Körperlichkeit
abwerten oder in Aussicht stellen, dass die Möglichkeit einer göttlichen Vollkommenheit auch für den Menschen erreicht werden könne. Ein weiterer
theologischer Aspekt hierbei ist Mitmenschlichkeit und Option für die Schwachen. Diese stehen einer Elitementalität gegenüber, die keine Rücksicht
auf Schwache nimmt. Desweiteren steht das Ineinander von Spiritualität und diakonischer Verantwortung für die Welt gegenüber einer Weltflucht in
bestimmten "Sekten" oder der Unverbindlichkeit von Angeboten der esoterischen Szene gegenüber.
Das Miteinander von Glaube und Vernunft, wie es dem Protestantismus Eigen ist, muss in
der Auseiandersetzung mit Gruppen betont werden, die primär auf Emotionen ausgerichtet sind. Schließlich bietet ein Glaube, der die Freiheit eines
Christenmenschen mit dem Angebot von Gemeinschaft verbindet, eine Alternative zu der Unfreiheit einer den Menschen absolut beherrschenden Gruppe.
In der Auseinandersetzung mit Weltanschauungsangeboten und gemeinschaften sind "falsche
Propheten" und "Geister zu prüfen" (1. Joh 4, 1). Hier hat der Religionsunterricht die Aufgabe, Alternativen zu bieten, um den verführerischen Angeboten
entgegenzuwirken.
1.3. Didaktisch-methodische Überlegungen
Zugänge zum Thema sind das Bewusstwerden der Suche nach Orientierung und die Erfahrung von
Unsicherheiten, die auch religiöse Sondergruppen und "Sekten" aufgreifen.
Die Behandlung des Themas im Unterricht muss sich davor hüten, allein dem Sensationsbedürfnis
von Schülerinnen und Schülern Tribut zu zollen ... Es ist daher zu prüfen, welches Interesse Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer bei dem
Thema haben. Wichtig ist, nicht apologetisch Gruppen zu verurteilen.
Hauptintention muss es sein, Jugendlichen Kriterien zur Beurteilung an die Hand zu geben, um
heilsame Formen von Religion von Unheil bringenden Formen zu unterscheiden. Dazu müssen sie Angebote und Lebenszusammenhänge dieser Gruppen kennen. Notwendig
ist dabei die Reflexion gesellschaftlicher Werte und Normen (siehe: gesellschaftliche Dimension) sowie des biblischen Welt- und Menschenbildes (siehe:
theologische Dimension).
Die Auseinandersetzung mit neuen religiösen Bewegungen, Sondergemeinschaften und "Sekten" führt
zu der Frage nach der Religionsfreiheit und deren Grenzen. Dabei ist zu klären, wie sich Religionen, Kirchen, Freikirchen, neue religiöse Bewegungen und
"Sekten" unterscheiden. Bei all dem muss der ernstzunehmende und oft gutmütige Eifer vieler Mitglieder dieser Gemeinschaften von den unterdrückenden
Strukturen der Gruppen und ihrer Lehre unterschieden werden.
Die Vielfalt von Angeboten auf dem religiösen "Markt der Möglichkeiten" sollte von
Schülerinnen und Schülern selbst erschlossen werden. Durch ihre Selbsttäigkeit wird ihr Selbstbewusstsein hinsichtlich der eigenen Wert- und
Beurteilungsmaßstäbe gefördert. Bei einer rein kognitiv-informativen Erschließung entsteht die Gefahr der Faszination. Ergänzt werden muss diese durch
erfahrungsorientierte Methoden (Interaktions-, Plan- oder Rollenspiele), die Einstiegssituationen bzw. das konkrete Leben in einer Gruppe nachvollziehen
lassen. Durch die persönliche Identifizierung werden Unterscheidungsmuster als Kriterien für die eigene Beurteilung der Lehren und Strukturen
religiöser Gemeinschaften entwickelt.
Religionsunterricht hat hier auch die Aufgabe der Prävention: Durch ganzheitliche
Methoden kann die Auseinandersetzung mit persönlichen Abhängigkeiten und die Stärkung des Selbstbewusstseins weiterentwickelt sowie die Erfahrung echter
Gemeinschaft vermittelt werden.
Die Vielfalt dieser Gruppen und Angebote macht eine didaktische Rekuktion durch die Unterrichtenden
nötig. Da auf das Phänomen "Okkultismus" bereits in den Jahrgangsstufen 7/8 eingegangen wurde, kann hier darauf verzichtet werden.
...
1.3.1. Ziele zur Erweiterung der Methodenkompetenz
Internetrecherchen durchführen
Informationsmaterial auswerten und präsentieren
1.3.2. Ziele zur Erweiterung der Sozialkompetenz
Wertmaßstäbe und Beurteilungskriterien entwickeln
Kritikfähigkeit entwickeln
1.4. Offene Unterrichtsformen
1.4.1. Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Fächern
Deutsch: Ganzschriftlektüre
Englisch / Musik: Songtexte
Sozialkunde: Jugendliche in autoritären Strukturen
1.4.2. Außerschulische Lernorte
Besuch einer "Freikirche"
Besuch bei einem Weltanschauungsbeauftragten" |
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Literatur |
"2.1. Zur sachlichen Vertiefung
...
2.2. Für die Unterrichtspraxis
...
2.3. AV Medien
... "
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Intentionen/ Inhalte |
"Sich bewusst werden, dass es ein Grundbedürfnis nach religiöser Orientierung gibt
- Suche nach religiöser Orientierung
- Unsicherheiten
und Orientierungslosigkeit
Die Vielfalt von Gruppen und Angeboten wahrnehmen
- Religiöser "Markt der Möglichkeiten" heute
Erfahren, wie Menschen vereinnahmt werden können
- Einstiegssituationen
- Strukturen
der Vereinnahmung und Abhängigkeit bei Gruppen und Angeboten
Rolle von Führungspersonen
Gefahr des Todes
Wirtschaftliche Interessen
Entdecken, dass die Vereinnahmung von menschen die gottgewollte Freiheit einschränkt
- Biblisches Menschenbild und christlicher Freiheitsbegriff
Einheit von Körper und Seele
Option für die Schwachen
Freiheit von unterdrückenden Strukturen
Formen verschiedener religiöser Gruppen und Angebote kennen und beurteilen lernen
- Kennzeichen einzelner Gruppen und Angebote
- Kriterien
für "Sekten" und Unterscheidungsmuster
- Probleme
beim Ausstieg
Klären, wo Religionsfreiheit an ihre Grenzen stößt
- Sinn von Religion
- Religionsfreiheit
auf dem Prüfstand
Wahrnehmen von offenen Orientierungsmöglichkeiten
- Angebote zur Orientierung
- Religionsunterricht
als Hilfe zur Orientierung
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Sek I - Katholische Religion |
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(Lehrplan online nicht verfügbar) |
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Sek I - Ethik |
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(Keine explizite Thematisierung im Lehrplan; Bezugnahmen in fachübergreifenden Empfehlungen wie folgt:) |
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Jahrgänge |
7 - 10 |
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Erfahrungsfeld |
"Sucht und Abhängigkeit" |
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Bezüge Ethik |
- "7/8: PC-Spiele
- 7/8:
Idole - Ideale
- 9/10:
Alte und neue religiöse Bewegungen
- 9/10:
Videos/Filme
- 9/10:
Körperkult
- 9/10:
Mode
- 9/10:
Drogen"
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Sek I - Sozialkunde |
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Zuordnung |
Hauptschule, Jahrgang 7 Realschule, Jahrgang 8 Gymnasium, Jahrgang 9 |
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Thema |
"Jugendliche in sozialen Gruppen" |
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Zeitbedarf |
ca. 7 Stunden |
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Leitfrage |
"Welche Bedeutung hat die Gruppe der Gleichaltrigen für Jugendliche in Schule und Freizeit? (Individuum - Gruppe)" |
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Teilziele Methoden |
- "Verständnis, dass Gruppen für Jugendliche wichtige Bedürfnisse erfüllen können
Fälle aus Jugendliteratur, Filmen; Umfragen über Freizeitverhalten an der Schule
Orientierung, Solidarität, Identität, Freizeitgestaltung
- Bewusstsein,
dass Gruppen das Verhalten ihrer Mitglieder beeinflussen
Projekt mit dem Deutschunterricht: Schreiben und Aufnehmen einer entsprechenden Spielszene (TB oder Video)
Solidarisierung - Abgrenzung, Ausgrenzung
- Einsicht
in Gründe für den Anschluss Jugendlicher an Gruppen, die sich andere Normen
setzen und von Werten der Gesellschaft abgrenzen
Interviews mit Sachverständigen, Befragung von Mitschülerinnen und Mitschülern, wissenschaftliche Untersuchungen in altersgemäßer Aufbereitung
Die Gruppe als Problemlösungsversuch für Perspektivlosigkeit, mangelnde Lebenschancen, Bindungslosigkeit, großstädtische Wohnsituation
oder: Die Gruppe als alternative Lebensform gegen Konsum und Leistungsgesellschaft, Umweltzerstörung
- Bereitschaft,
rationale, gewaltfreie Konfliktlösungen bei Auseinandersetzungen innerhalb
und außerhalb der Gruppe anzustreben
Rollenspiel, "Spielregeln" aufstellen
- Bereitschaft,
sich von Gruppen abzugrenzen, die die Individualität ihrer Mitglieder
missachten und / oder menschenverachtende Gewalt befürworten
Fallanalyse: Weg eines Jugendlichen in die geistige und wirtschaftliche Abhängigkeit von einer Sekte oder Biographie eines Jugendlichen in einer
extremen Gruppierung
"Gehirnwäsche", Gewaltbereitschaft, Radikalismus, Extremismus, Ausländerfeindlichkeit"
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Sek II - Evangelische Religion |
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(Lehrplan online nicht verfügbar) |
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Sek II - katholische Religion |
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Jahrgang |
11 |
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Thema |
"Der Mensch auf der Suche nach Gott" |
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Einzelthema |
"Säkulare Heilsangebote und neue religiöse Bewegungen" |
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Intentionen |
- "Säkulare Heilsangebote und neue religiöse Bewegungen exemplarisch kennen lernen
- In
der Konjunktur der neo- bzw. pseudo-religiösen Angebote die Sehnsucht nach Ganzheit
und Heilsein des Menschen erkennen und bewerten
- Säkulare
Heilsangebote und neue religiöse Bewegungen als Anfrage an das Christentum und
die Kirche begreifen
- Kriterien
zur Auseinandersetzung und Unterscheidung kennen lernen
- Neue
religiöse Bewegungen innerhalb der Kirche kennen lernen
- Gemeinsamkeiten
und Unterschiede neuer religiöser Bewegungen innerhalb und außerhalb
der Kirchen erfassen und beurteilen"
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Perspektiven/ Inhalte |
"Christliches Verständnis:
- Die eine Kirche und die vielen Spaltungen
- Das
unterscheidend Christliche und der Heilsanspruch der Kirche
- Krisen
in der Kirche als Chance der Erneuerung, z.B. Ordensgründungen und
Reformbewegungen
Religionen der Welt:
- Das Ringen um den "rechten" Weg im Glauben
- Konfessionalität
in den Weltreligionen
- Elemente
fernöstlicher Religionen in neuen religiösen Bewegungen des Westens
- Begegnung
asiatischer Religiosität mit europäisch-christlicher Kultur
Weltanschauungen und Wissenschaften:
- Funktion von Wissenschaft und Technik in neu-religiösen Bewegungen (Fantasy-
und Science-fiction-Literatur)
- Heilsangebote
in philosophischen Strömungen und politischen Bewegungen, in
Musik und Jugendkultur
- Psychologische
Betrachtungsweisen von religiösen Phänomenen, menschlichen
Sehnsüchten und Ängsten"
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Sek II - Ethik |
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(Lehrplan online nicht verfügbar) |
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